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6. Leitfaden: Vektorformate, Quellen & Workflows

Ein Stiftplotter zeichnet keine Pixelbilder, sondern fährt mathematische Vektorpfade mit physischen Stiften ab. Je nachdem, womit du deine Grafiken entwirfst – ob per eigenem Code (Python, Processing), in 3D-Programmen wie Blender, in Grafik-Editoren wie Inkscape oder in CAD-Systemen –, gibt es bewährte Wege, um optimale Daten für LINTO zu erzeugen.


1. Eigene Skripte (SVG selbst generieren)

Für generative Kunst (Plotter Art) aus eigenen Python-, JavaScript- oder Processing-Skripten ist SVG das ideale Ausgabeformat. Wenn du beim Erzeugen der SVG-Datei vier einfache Regeln beachtest, werden Maße und Stifte beim Import sofort 1:1 erkannt:

  1. Maßeinheit Millimeter (mm) und viewBox synchron halten: Setze width und height explizit in mm und verwende dieselben Zahlenwerte in der viewBox. Dann entspricht 1.0 im Koordinatensystem deines Skripts exakt 1 Millimeter auf dem Papier:

    <svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg"
         width="420mm" height="297mm"
         viewBox="0 0 420 297">
      <!-- 1 Einheit = 1 mm auf einem DIN A3 Querformat-Blatt -->
    </svg>
    
    (Ohne Einheit interpretiert der SVG-Standard Zahlenwerte als Pixel bei 96 DPI, also 1 px ≈ 0,2646 mm.)

  2. Stiftzuweisung über die Strichfarbe (stroke): LINTO ordnet Pfade anhand ihrer stroke-Farbe den Stiften 1–8 zu. Wenn du in deinem Skript direkt die 8 Standard-Hex-Farben verwendest, landet jeder Pfad garantiert und deterministisch auf dem gewünschten Stift:

Stift Standardfarbe Hex-Code Empfohlene Verwendung
Stift 1 Schwarz #000000 Hauptkonturen, Beschriftung
Stift 2 Rot #d32f2f Hervorhebungen, Bemaßung
Stift 3 Blau #1976d2 Hilfslinien, Schraffuren
Stift 4 Grün #388e3c Sekundäre Geometrie
Stift 5 Orange #f57c00 Flächenschraffur
Stift 6 Magenta #7b1fa2 Feine Details
Stift 7 Cyan #0097a7 Entwürfe
Stift 8 Gelb #fbc02d Marker / Akzente

<!-- Landet automatisch auf Stift 1 (Schwarz) -->
<path d="M 10,10 L 100,10 L 100,100 Z" fill="none" stroke="#000000" stroke-width="0.35" />

<!-- Landet automatisch auf Stift 2 (Rot) -->
<circle cx="55" cy="55" r="30" fill="none" stroke="#d32f2f" stroke-width="0.35" />
Verwendest du abweichende Farben, gruppiert das Farb-Clustering bis zu 8 vorkommende Farbtöne automatisch auf die nächstliegenden Stifte.

  1. Immer fill="none" setzen: Ein Stiftplotter kennt keine Flächenfüllung, sondern nur Konturlinien. Setze im Skript fill="none", damit du schon im Browser oder Bildbetrachter exakt das siehst, was der Stift später zeichnet.

  2. Unterstützte SVG-Elemente: Du kannst <path>, <line>, <polyline>, <polygon>, <rect>, <circle>, <ellipse>, <text> (inkl. <tspan>) sowie verschachtelte <g transform="...">-Gruppen beliebig kombinieren. Kurven (C, Q, A) werden verlustfrei eingelesen.

  3. SVG-<text>-Import (Automatische Einlinien-Ersatzschrift): Nicht in Pfade umgewandelte <text>-Elemente werden beim Import automatisch durch eine integrierte Hershey-Simplex-Einlinienschrift (inkl. deutscher Umlaute, ß und gängiger Akzentzeichen) unter Beachtung von font-size, text-anchor (start, middle, end) und dx/dy-Versatz ersetzt. LINTO gibt dabei bewusst weiterhin einen Hinweis in der Statusleiste und in der Pre-Flight-Inspektion aus, dass <text> durch eine einfache Linienschrift ersetzt wurde (wer die exakten Umrisskonturen einer bestimmten TrueType-Schrift plotten möchte, wandelt den Text zuvor im Grafikprogramm in Pfade um).

2. Inkscape als universeller Vor-Konverter

Inkscape ist das „Schweizer Taschenmesser" für die Plotter-Vorbereitung. Nahezu jedes Fremdformat lässt sich in Inkscape öffnen, prüfen und als sauberes SVG speichern:

  • Vektor- & Druckformate: .pdf, .eps, .ps (wichtig: beim PDF-Import werden eingebettete Schriften oft als Doppellinien-Umrisse geladen), Adobe Illustrator (.ai), CorelDRAW (.cdr), Visio (.vsd/.vsdx), .wmf/.emf.
  • CAD-Formate: .dxf (AutoCAD R12/R14/2000+) und .hpgl/.plt.
  • Echte Einlinienschriften (Hershey Text): Normale Computerschriften (TrueType/OpenType) bestehen aus geschlossenen Außenkonturen (ein „I" wird als schmales Rechteck doppelt umfahren). Während LINTO direkte SVG-<text>-Elemente automatisch durch seine eingebaute Hershey-Simplex-Einlinienschrift ersetzt, bringt Inkscape unter Erweiterungen → Text → Hershey Text noch weitere Single-Line-Schriftstile (z. B. Script, Serif, Gothic) mit – oder erlaubt über Pfad → Objekt in Pfad umwandeln das gezielte Plotten von Umriss-Schriften.
  • Rasterbilder (.png, .jpg) vektorisieren: Über Pfad → Bitmap nachzeichnen bietet Inkscape den Modus Mittellinien-Vektorisierung (Centerline Tracing / Autotrace). Anders als die normale Konturerkennung (die um jede schwarze Linie zwei Ränder legt) erzeugt das Centerline-Tracing eine einzelne Mittellinie für den Stift.

3. Blender (3D-Szenen als 2D-SVG ausgeben)

Blender eignet sich hervorragend für algorithmische 3D-Geometrie, Architektur-Drahtmodelle und Kamera-Perspektiven mit automatischer Verdeckungsberechnung (Hidden Line Removal – verdeckte Kanten auf der Rückseite von Objekten werden sauber weggelassen). Es gibt zwei direkt eingebaute Wege in Blender:

  1. Freestyle SVG Exporter (Mitgeliefertes Add-on):
  2. Unter Edit → Preferences → Add-ons nach Freestyle SVG Exporter suchen und aktivieren.
  3. In den Render Properties Freestyle und Freestyle SVG Export einschalten.
  4. Beim Rendern (F12) schreibt Blender eine fertige .svg-Datei mit allen sichtbaren Kanten aus Kamerasicht.
  5. Grease Pencil + Line Art Modifier (Ab Blender 3.x / 4.x, besonders schnell):
  6. Add → Grease Pencil → Scene Line Art zur Szene hinzufügen (berechnet Konturen, Silhouetten und Schnittkanten in Echtzeit im Viewport).
  7. Anschließend über File → Export → Grease Pencil as SVG (.svg) direkt als Vektorgrafik für LINTO exportieren.

4. HP-GL (.hpgl / .plt)

HP-GL (Hewlett-Packard Graphics Language) ist kein Entwurfsformat, sondern eine historische Maschinensteuerungssprache (PU = Stift hoch, PD = Stift runter, SP = Stiftwahl) mit einer festen Schrittauflösung von 1 Einheit = 0,025 mm.

  • Direktimport in LINTO: Du kannst bestehende .hpgl- und .plt-Dateien direkt über Datei → Importieren (Strg+I), Datei → Projekt öffnen (Strg+O) oder per Drag & Drop laden.
  • Unterstützte Befehle beim Import: Neben absoluten/relativen Fahrbefehlen (PA, PR, PU, PD) und Stiftwechseln (SP1–SP8) unterstützt der aus dem Schwesterprojekt MutohPlot übernommene Parser auch geometrische Primitive (CI Kreise, AA/AR Kreisbögen, EA/RA Rechtecke) sowie LB-Textbeschriftungen (inkl. Zeichengröße SI, Richtung DI/DR, Neigung SL und Versatz CP) über einen integrierten 5×7-Vektorzeichensatz.
  • Hinweis zu Genauigkeit & externen Konvertern: Da HP-GL-Dateien bereits für ein Zielgerät gerastert sind, sind Kurven darin in kurze Geradensegmente aufgelöst. Falls du alte HP-GL-Dateien außerhalb von LINTO nach SVG umwandeln möchtest, eignen sich dafür u. a. Inkscape, vpype (mit vpype-hpgl) oder das klassische Linux-Kommandozeilentool hp2xx (hp2xx -m svg datei.hpgl -f datei.svg).

5. DXF (CAD-Zeichnungen)

DXF (Drawing Exchange Format) ist der universelle 2D-Austauschstandard im CAD-, Architektur- und CNC-/Lasercutter-Bereich (AutoCAD, FreeCAD, QCAD, LibreCAD, Rhino, Fusion 360).

  • Besonderheiten beim Stiftplotten: CAD-Zeichnungen nutzen häufig Ebenen (Layer) oder ACI-Farbnummern zur Unterscheidung von Körperkanten, Bemaßungen und Hilfslinien und enthalten oft unverbundene Einzellinien oder Bemaßungsblöcke.
  • Empfohlener Workflow: Exportiere die Zeichnung direkt aus dem CAD-Programm als SVG (z. B. in QCAD oder FreeCAD TechDraw) oder öffne die .dxf-Datei kurz in Inkscape (Skalierungsfaktor beim Import auf 1.0 für Millimeter belassen) und speichere sie als .svg für LINTO.

Tip

Weiterführende Werkzeuge (z. B. Inkcut, vpype, vsketch, ln) sowie die zentralen Community-Hubs (Awesome Plotters, Drawingbots.net, Reddit) findest du in Kapitel 8: Empfohlene Ressourcen, Tools & Community-Sammlungen.